Geschichte

Das Gebäude des heutigen Haus Bergfried stand schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts und diente in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg als Gasthaus. In den Nachkriegsjahren wurde das ehemals kleine Gebäude zur heutigen Größe ausgebaut und war lange Jahre als Hotel für erholsame Urlaubstage und als attraktives Ausflugslokal der Region bekannt.

1971/72

Erst 1971/72 erfährt das Gebäude die Umnutzung zum Kinderheim, damals für 40 Kinder. Heute liegen uns noch die Planzeichnungen des damaligen Umbauvorhabens zum heutigen Raumschnitt vor. Mit der Durchführung dieses Umbaus im Verlauf der 1970er Jahre wurde die Platzzahl auf 24 reduziert.

1980

Am 02. Februar 1980 übernehmen das Berliner Paar Horst Wehinger und Monika Schreiber die Leitung des Kinderheims. Das Kinderheim Bergfried trägt damals die Zusatzbezeichnung „Heilpädagogisch orientierte Einrichtung für verhaltensauffällige Jungen und Mädchen“. Die Platzzahl wird weiter auf 20 Plätze gesenkt und die innovativen Gedanken des Heimleiterehepaares prägen die konzeptionelle Entwicklung...

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Konzeptgedanken Anfang der 1980er Jahre

Das Paar Wehinger/ Schreiber bringt auch ins Kinderheim Bergfried Einflüsse der Berliner Heimrevolte mit. Die Vision des Paares Wehinger/ Schreiber ist es, den ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen mit einer umfassenden individuellen Hilfestellung zu einer geglückten Sozialisation zu verhelfen, die ihnen die Chance gibt, sich zu eigenständigen Persönlichkeiten zu entwickeln. Die Institution Heim habe sich aus ihrer Sicht da zurückzuhalten. Die Grundlage aller pädagogischen Interventionen bildete ein Menschenbild, das von gegenseitiger Wertschätzung geprägt ist. Ziel war es, den Kindern und Jugendlichen alle Fähigkeiten mit auf den Weg zu geben, die sie brauchen, um nach ihrer „Heimentlassung“ ein eigenständiges Leben führen zu können. Methodisch innovativ arbeitete das Ehepaar Wehinger/ Schreiber daran,

  • den Kindern und Jugendlichen strukturell einen adäquaten Rahmen zu bieten (ordentliche Bekleidung, die nicht zum Heimkind stigmatisiert; Aufsicht, die vor Schäden bewahrt, aber nicht kontrolliert; ärztliche Versorgung; Förderung der Kreativität und Eigenleistung; ernährungsphysiologisch ausgewogene Ernährung und geistige Nahrung)
  • bei den Kindern und Jugendlichen und den Mitarbeiter/innen Mitbestimmungsrechte zu verankern,
  • einen engen Kontakt zu den Eltern, Schulen und Arbeitsstätten zu pflegen,
  • Teamarbeit zu praktizieren,
  • gegenseitige konstruktive Kritik zu ermöglichen und
  • positive Verstärkung einzusetzen.

Als Grundlage für das Erreichen der Ziele mit den Kindern und Jugendlichen wurden die Beziehungsgefüge der Kinder und Jugendlichen zu ihren Betreuern definiert. „Wichtig für uns als pädagogisch handelnde Personen ist dabei unsere eigene Einstellung und Haltung zu den Kindern/ Jugendlichen. Diese Einstellung und Haltung muss für alle Beteiligten klar einschätzbar, echt in der Bezugssituation und offen für Entwicklungen sein“ (entnommen aus: Gedanken zur Führung des Kinderheims Bergfried, 1981).

Darüber hinaus galt das Bewusstsein von Freiheit als Handlungsspielraum innerhalb flexibler Grenzsetzung, der Achtung von Regeln und Normen aller an der Hilfe Beteiligten, die Förderung der Individualität der Kinder und Jugendlichen zur Selbständigkeit und keine Entwicklung zur Heimfähigkeit und das Angebot eines alternativen Zuhauses, ergänzend zu der Familienarbeit mit dem Herkunftsumfeld der Kinder und Jugendlichen.

Diese pädagogische Prägung des Kinderheims Bergfried beeinflusst noch bis heute die Prinzipien in der Arbeit von Bergfried maßgeblich. Horst Wehinger ist bis zum Renteneintritt im April 2009 geschäftsführender Gesellschafter von Bergfried.

1992

Im Jahre 1992 gründen Horst Wehinger und Roland Konrath-Pütz die Bergfried Wohngruppen GmbH komplementär zum Kinderheim Bergfried und eröffnen im gleichen Jahr die Mädchenwohngruppe in der Himmeroderstraße in Wittlich.

1993

Bergfried eröffnet 1993 die dritte Außenwohngruppe in Bernkastel-Kues/ Wehlen. In Anbindung an die Wohngruppe in Wehlen installiert Bergfried die ersten Einzelbetreuungsplätze außerhalb der Einrichtung für junge Erwachsene und eine junge Mutter mit ihrem Kind. Die Wohngruppe Wehlen zieht 1998 um in den Layenhof nach Wittlich.

1995

Ab Mitte der 1990er baut der damalige Mitarbeiter Peter Brettle das Angebot Sozialpädagogische Familienhilfe und Erziehungsbeistandschaft konsequent aus. 2001 übernimmt Andrea Brang die Bereichsleitung der Sozialpädagogischen Familienhilfe und etabliert das Angebot zu einer qualitativen und quantitativen Größe der Einrichtung.

1998

1998 tritt Uwe Boldt neben Roland Konrath-Pütz und Horst Wehinger als geschäftsführender Gesellschafter in die Haus Bergfried Wohngruppen GmbH ein.

1999

Im November 1999 bezieht die Mädchenwohngruppe das Haus in der Koblenzer Straße in Wittlich.

2000

Aus den Erfahrungen der Wohngruppenerziehung und dem zunehmenden Bedarf an verselbständigenden Betreuungsformen entwickelt sich der Arbeitsbereich Betreutes Wohnen seit 2000 unter der Leitung von Manfred Selzner stetig weiter. Das Angebot des Betreuten Einzelwohnens und der Mutter-Kind-Betreuung bietet Platz für insgesamt 20 junge Menschen.

2001

Im Jahr 2001 übernimmt die Bergfried GmbH das Kinderheim Bergfried. Bergfried beschäftigt sich ab diesem Zeitpunkt intensiver mit den Anforderungen moderner Jugendhilfe hinsichtlich Qualitätsentwicklung, wirtschaftlichen Denkweisen und der Transparenz der Leistungen. Die Wohngruppe Layenhof zieht innerhalb Wittlichs um in die Burgstraße.

2008

Eine konzeptionelle Entwicklung der Gruppen im Haus Bergfried führte 2008 zu einer weiteren Optimierung der Betreuungsmöglichkeiten mit 16 Plätzen (je Gruppe 8 Plätze). Das Aufnahmealter wurde zeitgleich auf 12 Jahre heraufgesetzt.

Jüngere Kinder im Alter von 3-12 Jahren können seit 2008 in der neu errichteten Kinderwohngruppe in Diefenbach betreut werden.

2009

Anfang 2009 scheidet Horst Wehinger aus Altersgründen aus der Bergfried GmbH aus. Seinen Platz als geschäftsführender Gesellschafter übernimmt Mirko Dornbach. Bergfried trägt ab hier den Namen „Bergfried – Kinder- & Jugendhilfe GmbH“.

Aus der bestehenden Wohngruppe Kurfürstenstraße wird die Trainingsgruppe des Betreuten Wohnens, als zusätzliches Angebot.

Die neue Jugendwohngruppe für 6 Jungen und Mädchen ab 15 Jahren eröffnet am 01.08.2009 in der Neustraße in Wittlich.

2011

Auf dem Geländes des ehemaligen Missionshauses St.Paul in Wittlich entsteht unser Kinder- & Familienhaus St.Paul. Das Kinder- & Familienhaus vereint ab April die Angebote Kinderwohngruppe für 8 Kinder im Alter von 3-10 Jahren, Mutter-Kind-Gruppe mit drei Plätzen und intensives Familientraining.


Im August eröffnen wir unsere Wohngruppe in der Koblenzer Straße in Wittlich nach dreimonatiger "Umbauphase" neu. Die Jugendwohngruppe Koblenzer Straße ist jetzt ein Zuhause für 6 Jungen und Mädchen ab 15 Jahren.